Es ist Dienstag Mittag. Karlchen hat Hunger. Eigentlich hat er immer Hunger. Deshalb nennen ihn seine Freunde liebevoll „Fresschen Kahlkopf“. Diesmal soll ein Restaurantbesuch das alltägliche Problem der Mittags-Magen-Leere lösen.

Das Gasthaus mit dem einladenden Namen „Zum Kotzen“ ist seit Jahren stadtbekannt. Es ist von Karlchens Haus lediglich zwölf Fußminuten entfernt. Hier soll es laut Werbeanzeige in der Zeitung ausgesprochen einzigartige Fressalien geben. Karlchen geht zum ersten Mal in diesen Fresstempel. Sein Nachbar sagte ihm, „Probier es doch mal aus. Warum nicht?”

Gesagt getan

Als Karlchen das Restaurant betritt wird er von einer unerwarteten Geräuschkulisse frontal-überrascht. Das Grunzen, Stöhnen, Schlürfen und Wimmern erinnert ihn an den Schweinemasthof in dem er am Wochenende in der Nacht zu Besuch war. Karlchen denkt sich: „Ein Masthof? Komisch.. Dann müsste dieses Restaurant ja »Zum Schweinemasthof« heißen. Das kann doch gar nicht sein.“ Karlchen verwirft seinen Gedanken schnell wieder und konzentriert sich auf das was er mit bloßem Auge sieht.

Als er sich umschaut beobachtet er wie an einem der Tische ein Boulettenfürst über einen Haufen frisch gebratener Mischfleischbällchen herfällt. Der Mann saugt die Klopse weg als ob es seine letzte Amtshandlung auf Erden wäre. Dabei ist es lediglich Dienstag Mittag. Karlchen denkt sich: „Geil!”

An einem anderen Tisch veranstaltet ein Schnitzelkönig eine einsame Fressorgie. Die auf einem Extra-Teller aufgestapelten Fleischlappen werden weggeatmet wie Brotchips. Auf einem zweiten zugestellten Tisch steht ein Kolossschnitzel welches noch auf sein Schicksal wartet dem Magen des hungrigen Schnitzelkönigs zugeführt zu werden. Karlchen denkt sich: „Wow, muss ich auch probieren!”

Hinten neben dem Eingang zum Klo hausiert ein wanstiger Steakkaiser und praktiziert eine vielfräßige Blutorgie. Der Gast hat sich offenbar seine Zähne spitzen lassen damit er vampirartig auch zähe Steakbereiche besser zerfleischen kann. Er trägt rote Schuhe - offenbar damit das triefende Steakblut nicht die Schuhe verfärben kann. „Schlau”, denkt sich Karlchen. „Der weiß wie man frisst.”

Aus dem Augenwinkel erkennt Karlchen in einem anderen Raumbereich eine Person, die gerade dabei ist mit ausgekeiften Stilaugen eine Platte verschiedenster Wurstsorten zu vernichten. Der Wurstplatten-Imperator ist Stammgast - so steht es auf seinem T-Shirt. Auf seiner Fressplatte sieht es aus als ob eine Terroristengruppe ein Massaker angerichtet hätte. Er richtet eine kulinarischer Vernichtungsorgie an bei der scheinbar sogar der Teller selbst mit angefressen wird. „Voll ausgebufft der Typ”, denkt sich Karlchen - „muss ich kennenlernen.”

Das richtige Restaurant gewählt

Karlchen denkt sich in diesem Moment: „Hier bin ich richtig. Hier muss ich essen!” Wie durch Zufall fängt in diesem Moment eine arme Sau an bitter zu Röcheln. Der Mann hat sich an einem Knochensplitter seiner Suppe verschluckt und versucht nun diese Knochen wieder hochzuwürgen. Das Gewürge und Geschlauchze erinnert Karlchen eher an den Zoo als an ein Restaurant. Sogar der Schoßhund Rocko wird durch das Würg-Getöse hellhörig. Der Mann windet sich mit gekrümmten Körper Richtung Toilette und fragt auf dem Weg dorthin den Kellner nach der Saugglocke.

„Boah, Glück gehabt. Ein Tisch wird frei”, freut sich Karlchen. Sichtbar erheitert nimmt er an dem Tisch des Vorhersitzenden Platz. Der Wirt versprüht noch etwas Duftspray auf dem Tisch und sammelt das Geschirr ein. Karlchen setzt sich ans Fenster und lässt sich erstmal die Speisekarte geben. Vom Fresslärm der anderen Gäste lässt er sich nicht ablenken und studiert aufmerksam das Menü.

Auf der Karte sind kulinarische Überraschungen aufgelistet, von denen Karlchen noch nie etwas gehört hat. Zum Beispiel gibt es Steinsuppe mit Wackersteinpilzen oder Linsengrätenblut.. Die Speisekarte liest sich so:

Vorspeisen:

  • Häufchen Elend (100g) - 4,00€
  • Fußrindensuppe - 4,70€
  • Linsengrinssuppe - 5,00€
  • Bauchschnabelsuppe - 5,50€
  • Spülkastenbrot mit pelzigem Käsekragen - 5,00€
  • Holzkopfsalat - 5,50€
  • Ausgedrückte Hühneraugen in Eiter-Créme-Suflé, 6 Stück - 6,00€
  • Meister Ebers Kotztütensuppe - 6,80€
  • Gerunzelte Stirnklappen - 6,90€
  • Schwedische Mottenkugeln (3 Stück) - 9,00€
  • Gebratene Vorhäute - 9,00€

Hauptgerichte:

  • Bandwurmsuppe mit Kotzbrotkorb - 7,50€
  • Kompost-Dreierlei - 7,50€
  • Maulkröteneintopf - 9,00€
  • Entsorgter Stoßdämpfereintopf „Müllkippen Art“ - 10,30€
  • Geräucherte Nebenniere mit Cortisoneinlage - 12,50€
  • Bayerische Schrumpfhoden (entkernt) - 12,80€
  • 3 gespermte Dänische Klöten (vom Hornochsen) - 14,00€
  • Frischer Satansbraten - 14,00€
  • Die „Versager-Platte” - 16,66€
  • Eingelegte Augenklappen mit Hautschuppenspinat - 17,80€
  • Pickelhaubenspieße „Preußischer Art“ - 18,00€
  • Gefingerte Form-Tittchen „Petra Art“ - 20,00€
  • Entengrützwurst mit Pantoffel-Tierhäutchen - 20,20€
  • 3 wiedergefundene Bauchfaltenwürstchen „Sanssouci“ - 22,20€
  • 3 Unterleibs-Nuddeln mit getrockneten Sackratten in Schmlippen - 26,80€
  • Bayerische Gefängnis-Schrumpfhoden (entkernt, schwer zu kriegen) - 37,80€
  • „Teller des Grauens” (kulinarische Überraschung für Neugäste) - 50€
  • Gestammelte Hinterwald-Nuscheln „Honecker Art“ - 55,55€
  • Gedehnte Breitbandnudeln mit kabellosem Sofort-Anschluss - 60,00€

Dessert:

  • Augapfelkuchen mit Knochensplitter - 8,20€
  • Erschrockene Schreckschrot-Schrauben Schocken - 9,00€
  • 9 Hexenkekse - 9,00€
  • 3 wiedergekaute Zankapfelgriebsche - 11,50€
  • Vollbart-Kräuselhaarpaste vom Unterleib - 12,00€
  • „Futzelknigge” - 15,00€

Was der Bauer nicht kennt ...

Normalerwise passiert das den Leuten in der Bar nach dem Saufen. Aber hier passiert es nach dem Fressen. Das große Kotzen. Das Restaurant wird seinem Namen mehr als gerecht.

Damit die Fresswut nicht Stunden dauert hat sich der Gast gleich die große Kelle geben lassen statt sich mit einem Löffel an dem Wurstberg abkämpfen zu müssen. „Das ist schlau”, denkt sich Karlchen. „Der Typ hat's drauf.”. Ja, Fressen ist auch immer ei Kampf. Ein Kampf gegen die Zeit und Hunger. Der Gegner in diesem Krieg ist der Hunger und die Zeit.

Suppenterrorist ein Durch das Geschlürfe fangen die Ohren der Gäste an zu flattern. Sogar die Leute die gegenüber vom Restaurant an der Bushaltestelle stehen, hören das Geschlürfe und wundern sich ob hier der Zoo ist.

Wirt vorne am Thressen steht "Deine Mudda" und bestellt „Einmal Alles bitte.” - „Einmal Alles haben wa nich!”, schnauzt der Kellner. Daraufhin sagt Deine Mudda: „Ok, dann nehm ick 'ne Kuh zum Mitnehmen.”

Am anderen Ende des Ganges sitzt ein einsames Häufchen Elend mit gesenktem Kopf. Offenbar hat er sich mehrfach überfressen und „Was für ein Versager”, denkt sich Karlchen. Karlchen möchte einen Sitzplatz genau an der anderen Seite

Karlchen ist völlig überwältigt. Solch eine kulinarische Vielfalt hätte er nicht erwartet. Sein Herz geht auf. Und sein Magen meldet Bedarf an. Er schnippt den Kellner zu sich und sagt: Unglaublich. Diese Vielfalt. So viele Leckereien hätte ich hier nie erwartet. Wie schaffen Sie das bloß?

expansives Kotzen

Ich nehme ... und zu Dessert das widerständige Ohmlätt Aber alles Pronto. Ich hab Hunger!

Zwei halbe Portionen die an einem ... vergehen.

sauer aufstoßen.

Sitzt der Cheffratte die sich einmal quer durch die Speisekarte gefressen hat. Im letzten Moment purzelt es noch aus ihm heraus bevor er kotzen muss. Die platschende Kotze verteilt sich Flutartig auf dem Boden.

Karlchen wundert sich.

R.I.P. Hier ruht das Mittagessen von Rainer Gährbauch. Ruhe in Frieden.

Routinemäßig stellt der Wirt ein Kotzeimer neben Karlchens Tisch. “Keine Sorge”, sagt er. “Das ist nur vorsichtshalber. Dieses Restaurant heißt zum Kotzen”

Ich hab immer noch Hunger. Darf ich deinen Teller ablecken? Rocko der Hund frisst aus seinem Napf die ünriggebliebenen zerhackten Gulaschfetzen aus der Küche. Eigentlich alles Rocko wäre nicht Rocko wenn er nicht Teile seines Zerkautem in seinen Fressnapf zurück kotzt. Als Karlchen vom Klo zurück kommt überfallt ihn ein plötzliches Schlaghungergefühl. Er wundert sich dass der Rocko sein Gulasch nicht aufgefressen hat. Da sagt Karlchen: “Ich hab noch Hunger, darf ich deinen Fressnapf auslecken?”